18.03.2016

Rotes Kreuz: Weltgemeinschaft lässt Afghanistan im Stich

epd

Kabul/Genf (epd). Das Rote Kreuz hat der Weltgemeinschaft vorgeworfen, die Menschen in dem Konfliktland Afghanistan im Stich zu lassen. Es scheine, je mehr die Afghanen unter Gewalt und Elend litten, desto stärker sinke die Aufmerksamkeit der anderen Staaten, warnte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, IKRK, Peter Maurer, am Ende eines fünftägigen Besuchs am Freitag in Kabul.

Die humanitäre Lage verschlechtere sich immerfort, erklärte der Rot-Kreuz-Präsident. Die Zahl der vertriebenen Menschen steige, mehr Menschen erlitten Verletzungen. Die Zahl der Angriffe auf Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen habe sich im vergangenen Jahr um 50 Prozent erhöht, betonte Maurer. Die Afghanen bildeten die zweitgrößte Gruppe der in Europa ankommenden Flüchtlinge. Diese Entwicklung demonstriere wie ernst die Lage sei, so der Präsident des IKRK.

Die Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan hatte im vergangenen Jahr laut UN einen Höchststand erreicht. Mehr als 3.500 Zivilisten seien bei Anschlägen und Gefechten zwischen den aufständischen Taliban und Regierungstruppen gestorben. Knapp 7.500 Zivilisten wurden verletzt. Nach Angaben der UN-Mission in Afghanistan (Unama) war dies der höchste Stand seit Beginn der Dokumentation im Jahr 2009 gewesen.