15.05.2016

Margot Käßmann gegen Aufstockung der Bundeswehr

epd

Berlin (epd). Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, kritisiert die geplante Aufstockung der Bundeswehr. "7.000 Soldaten mehr ändern nichts", sagte die Theologin der "Bild am Sonntag". Ihr gehe es "um die grundsätzliche Hoffnung, für die wir Pazifisten oft verlacht werden: eine Welt, in der wir Armeen nicht mehr benötigen." Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte angekündigt, die Bundeswehr in den kommenden sieben Jahren personell aufzustocken und den Wehretat bis 2020 von derzeit 34,2 auf 39,2 Milliarden Euro anzuheben. 

Kriegseinsätze lehnte Käßmann ab. "Ich würde mir wünschen, dass Deutschland dafür bekannt würde, Konflikte nicht-militärisch zu lösen", sagte die Botschafterin der evangelischen Kirche für das Reformationsjubiläum 2017. "Die Geschichte Deutschlands hat uns gelehrt: Krieg, den wir nach außen tragen, bringt ganz entsetzliches Leid über andere. Und auch über uns selbst." 

Im Umgang mit Terroristen appellierte Käßmann dazu, auf Hass zu verzichten. "Auch mich schockiert die irrsinnige Gewalt von Terroristen, mit der sie Menschen verachten. Aber dennoch sind auch sie Gottes Ebenbild, wenn auch in einer verzerrten Version", sagte Käßmann. "Wenn wir mit Hass reagieren, freut das die Terroristen. Denn eine Gesellschaft voller Hass verliert ihre Menschlichkeit." 

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck teilte die Ansicht der evangelischen Theologin. Er sagte der "Bild am Sonntag": "Auch Terroristen haben eine von Gott gegebene Würde. Christen müssen unterscheiden: Liebe den Sünder, hasse die Sünde." 

Dagegen begrüßte Overbeck die Aufstockung der Bundeswehr: "Diese sogenannte Vergrößerung nach einer jahrzehntelangen Verkleinerung der Bundeswehr ist nachvollziehbar, wenn man sich die Komplexität der Krisenherde weltweit vor Augen führt. Und die Bundeswehr muss dafür im Rahmen ihrer Bündnisaufgaben handlungsfähig bleiben." Die vielen Konflikte auf der Welt "beweisen es leider jeden Tag, dass es gute Gründe gibt, auf die Bundeswehr nicht zu verzichten", fügte Overbeck hinzu.