26.02.2016

Konfliktbarometer zählt 19 Kriege weltweit

epd

Heidelberg (epd). Weltweit 19 Kriege hat das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung im vergangenen Jahr gezählt. Damit blieb die Zahl auf dem Stand des Vorjahres, wie aus dem am Freitag veröffentlichten Konfliktbarometer 2015 hervorgeht. Insgesamt beobachteten die Wissenschaftler mehr als 400 Konflikte in aller Welt, davon 223, die unter Gewalteinsatz ausgetragen wurden. Nur zehn davon seien zwischenstaatliche Konflikte gewesen. Die Bevölkerung in den afrikanischen Ländern südlich der Sahara war auch 2015 wieder Opfer der meisten hochgewaltsamen Auseinandersetzungen.

Als neue Kriege verzeichnete das Institut die bewaffneten Konflikte in der Türkei, auf den Philippinen und im Südsudan. In der Türkei habe die Eskalation des Konflikts zwischen Regierung und der kurdischen PKK in den südöstlichen Provinzen des Landes eine zweijährige Waffenruhe beendet. Auf den Philippinen sei es zu schweren Kämpfen zwischen dem Militär und islamistischen Milizen gekommen, bei denen mindestens 250 Menschen getötet und Zehntausende vertrieben worden seien. Im Südsudan sei neben dem seit Ende 2013 herrschenden Bürgerkrieg ein weiterer Konflikt zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen um Macht und Ressourcen zu einem Krieg eskaliert.

Weitere 16 Kriege wurden dem Bericht zufolge 2015 mit unveränderter Gewaltintensität weitergeführt – allein neun davon in Afrika südlich der Sahara. Das Institut für Konfliktforschung beobachtete fast die Hälfte aller hochgewaltsamen Konflikte in dieser Weltregion.

So hielt der Terror der Extremistengruppe Boko Haram in Nordnigeria und umliegenden Ländern an. Laut Bericht fielen dem Konflikt im vergangenen Jahr mindestens 12.000 Menschen zum Opfer, weitere 2,4 Millionen wurden vertrieben. In dem Gebiet rund um den Tschad-See habe Boko Haram seine Taktik geändert und setze jetzt vor allem auf blitzartige Überfälle, bei denen Frauen und Mädchen als Selbstmordattentäterinnen missbraucht würden, schreiben die Forscher. 

Auch der Krieg in der sudanesischen Region Darfur hielt 2015 an. Bei den Kämpfen zwischen zwei Rebellenorganisationen, dem Militär und regierungsnahen Milizen sind seit 2003 über 300.000 Menschen getötet worden. In der Zentralafrikanischen Republik wurden bei Kämpfen zwischen Christen und Muslimen 37.000 Menschen vertrieben. In Somalia verlor die islamistische Terrormiliz Al-Shabaab zwar Teile ihres Territoriums. Doch sie verübte immer wieder Anschläge, auch im Nachbarland Kenia.

Zu den Kriegsschauplätzen im mittleren Osten und Nordafrika gehörten neben Syrien und Irak der Jemen und Libyen. Während im Jemen die saudi-arabische Luftwaffe die jemenitische Huthi-Miliz bekämpft, streiten sich in Libyen mehrere Stämme, islamistische Milizen und zwei konkurrierende Regierungen um die Macht im Land.

In Asien wurden hochgewaltsame Konflikte unter anderem in Afghanistan, Pakistan und Myanmar beobachtet. In Lateinamerika war die Konfliktlage im Jahr 2015 neben dem Drogenkrieg in Mexiko laut Bericht vor allem durch gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Regierungen auf der einen und Ureinwohnern oder Oppositionsgruppen auf der anderen Seite geprägt. In Europa führen die Forscher den Krieg in der Ostukraine auf. Die Kämpfe zwischen Separatisten und Regierung um die Kontrolle der Donbass-Region kosteten den Angaben zufolge mehr als 4.000 Menschen das Leben.