09.01.2016

Kölner Erzbischof warnt vor "Obergrenzenschützern und Populisten"

epd

Köln (epd). Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki hat davor gewarnt, die Übergriffe in der Silvesternacht für Diskriminierung und Rassismus zu nutzen. Er sei besorgt, dass nun "viele ihr politisches Süppchen aus diesem dunklen Neujahrsbeginn kochen", sagte er in einer Ansprache, die das Kölner Domradio am Sonntagmorgen senden will. "Obergrenzenschützer und Populisten nutzen offenbar die Gunst der Stunde", sagt Woelki weiter.

Gruppen junger Männer, offenbar vor allem aus dem nordafrikanisch-arabischen Raum, hatten in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof zahlreiche Frauen sexuell bedrängt und bestohlen. Bislang wurden 170 Anzeigen erstattet.

Es mache ihm große Sorgen, "dass hier bei uns so etwas passieren konnte", und sein Mitgefühl gehöre allen Opfern dieser Nacht, sagte Woelki. Nirgendwo dürfe es "bei uns Platz für sexuelle Gewalt und Sexismus geben". Die Gewalttäter müssten selbstverständlich zur vollen Verantwortung gezogen werden.

Zugleich kritisierte der Erzbischof, dass nun im Internet "üble Hetze und blanker Hass" verbreitet würden. Diese Äußerungen verstießen gegen die menschliche Würde - so wie auch die "marodierenden Männerhorden" die Menschenwürde in schändlichster Weise missachtet hätten.

Zum Abschluss seines Bischofsworts forderte Woelki einen "verantwortlichen Umgang mit der Wahrheit" und zog einen Vergleich zwischen den Vorfällen in der Silvesternacht und Ausschreitungen bei Fußballspielen: "Nur weil ein paar Dutzend besoffene Fußballfans Gewalt ausüben und unser Rechtssystem missachten, sind doch auch nicht gleich Millionen von Fußballfans automatisch alle gleich Hooligans!"