31.08.2016

Kinderrechtler fordern: Keine Minderjährige in der Bundeswehr

epd

Osnabrück/Berlin (epd). Kinderrechtler haben zum Antikriegstag am 1. September an Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) appelliert, das Eintrittsalter in die Bundeswehr von 17 auf 18 Jahre zu erhöhen. Das Jugendschutzgesetz gelte in der Bundeswehr nicht, beklagte Ralf Willinger vom Kinderhilfswerk terre des hommes. Er ist zugleich Sprecher des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten, einem Zusammenschluss von zehn Kinderrechts-, Friedens- und Entwicklungsorganisationen, die sich gegen den Missbrauch von Kindern als Soldaten engagieren.  

"Es gibt keinerlei besondere Schutzmaßnahmen für Minderjährige gegen Übergriffe oder sexuellen Missbrauch, es werden noch nicht einmal Daten dazu von der Bundeswehr erhoben", kritisierte Willinger. 17-jährige Jungen und Mädchen würden genauso an der Waffe ausgebildet wie Erwachsene. Sie würden zusammen mit ihnen untergebracht. "Das Risiko, dass sie körperlich und psychisch überfordert oder Opfer von Mobbing oder Missbrauch werden, ist hoch."

Die Bundesregierung müsse diese Missstände schnell beheben, forderte der Sprecher. Sie sei als Vertragsstaat der UN-Kinderrechtskonvention zu besonderem Schutz aller unter 18-Jährigen verpflichtet. Auf der Webseite www.unter18nie.de werden dafür Unterschriften gesammelt. 

Nur noch wenige Armeen weltweit rekrutieren den Angaben zufolge Minderjährige. Die Bundeswehr sei neben der britischen Armee die einzige europäische Armee, die weiter Minderjährige in größerem Umfang einstelle. Zahlreiche Länder wie Spanien, Italien, Polen, Südafrika und Nepal hätten in den vergangenen Jahren das Eintrittsalter in ihren Armeen auf mindestens 18 Jahre erhöht. 

Die große Mehrheit aller Länder weltweit rekrutiere schon seit langem nur Volljährige, darunter beispielsweise Russland, Japan, Kolumbien oder die Türkei. Auch in der britischen Armee sinke der Anteil an minderjährigen Rekruten seit Jahren, erläuterte Willinger: "Bei der Bundeswehr steigt er hingegen und ist letztes Jahr auf einem Höchststand von 1.515 angekommen." Andere Länder wie Afghanistan oder Somalia rechtfertigten ihre Rekrutierung von Jugendlichen mit dem Hinweis auf Deutschland, kritisierte Frank Mischo von der Kindernothilfe.