09.11.2016

Friedensbeauftragter befürchtet nach Trump-Wahl Aufwind für Rechte

Karen Miether
epd

Bremen (epd). Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten könnte nach Ansicht des evangelischen Friedensbeauftragten Renke Brahms auch Auswirkungen auf die politische Kultur in Europa haben. „Ich fürchte, dass die rechtspopulistischen Strömungen und Parteien durch die USA-Wahl Aufwind bekommen und sich noch dreister ähnlicher Rhetorik bedienen“, sagte der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Dies werde die „schweigende Mehrheit“ ermutigen, populistische Parteien zu unterstützen.

Die sozialen Spannungen könnten zunehmen und der innere Frieden brüchiger werden. „Dem müssen wir entschieden entgegenwirken“, betonte der leitende Theologe der Bremischen Evangelischen Kirche. Dabei komme es darauf an, mutig für eine offene Gesellschaft einzutreten. Auch wenn sich die Populisten oft komplexen Zusammenhängen verweigerten, gehe es weiter um Differenzierungen, sagte Brahms. „Soziale Gerechtigkeit und Bildung sind für mich Schlüssel einer Politik, die diesen Strömungen entgegenwirkt. Gerechtigkeit und Frieden gehören auch in unserer Gesellschaft zusammen.“

Die Wahl in den USA sei alles andere als ein Lehrstück für Demokratie, sagte Brahms. Sie schwäche vielmehr durch die Rhetorik und den offenen Rassismus demokratische Gepflogenheiten. „Demokratie ist nicht selbstverständlich - sie muss eingeübt werden“, betonte der Friedensbeauftragte. Vielleicht gehe jetzt aber ein Ruck durch Parteien und andere gesellschaftliche Institutionen, der wieder zu mehr Demokratie führe. „Dazu bedarf es allerdings auch einer Besinnung auf Werte, die sich nicht nur an der Wirtschaftskraft des Einzelnen oder einer Gesellschaft messen lassen.“

Die Wahl in Amerika mache eine Entfremdung zwischen der Politik und Teilen der Bevölkerung deutlich. „Tatsächlich gibt es auch einzelne Menschen, die Opfer einer größer gewordenen Spaltung unserer Gesellschaft in Arm und Reich geworden sind“, sagte Brahms. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in vielen europäischen Staaten sei dafür ein Alarmsignal. Hinzu komme eine diffuse Angst, vielleicht irgendwann zu den Verlierern zu gehören. „Diese Verunsicherung müssen wir ernst nehmen, ohne eine gewalttätige Sprache zu dulden.“