19.04.2016

Deutlich gestiegenes Interesse an KDV-Beratungen

Dieter Junker
EAK
Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung im Grundgesetz.

Dieter Junker

Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung im Grundgesetz.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Beratungen von Kriegsdienstverweigerern bei der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) in Bonn deutlich gestiegen. Dies ergibt sich aus der Bilanz der EAK für 2015, die jetzt vorgelegt wurde.

Danach gab es im vergangenen Jahr in der EAK-Geschäftsstelle in Bonn 37 Beratungsanfragen zur KDV, dies entspricht einem Zuwachs von nahezu 20 Prozent gegenüber 2014. „Das ist schon eine deutliche Steigerung“, so Jasmin Schwarz, die KDV-Referentin bei der EAK. In der Zeit vom 1. Juli 2014 bis zum 30. April 2015 hatten nach Angaben der Bundesregierung 132 Berufs- und Zeitsoldaten einen KDV-Antrag gestellt, 2013 wurden 262 Anträge gezählt. „Das macht deutlich, dass viele der Betroffenen offenbar bei der EAK Beratung und Hilfe suchten“, sagt Jasmin Schwarz.

29 der Beratungskontakte in Bonn waren männlich, acht weiblich, wobei zwei der weiblichen Kontakte für ihren Freund vorstellig wurden. „Ein Drittel der Beratungen betraf Reservisten, zwei Drittel waren Zeitsoldaten, wobei die meisten aus dem Bereich einer 12- bis 18-jährigen Dienstzeit kamen“, erläutert die KDV-Referentin. „Etwa die Hälfte der Anfragen waren ein einmaliger Kontakt, aber bei vielen Kontakten folgten längere Gespräche und Beratungen, die durchaus auch mehrere Wochen dauerten“, betont Jasmin Schwarz.

Einige der Personen, die sich bei der EAK meldeten, hatten bereits einen KDV-Antrag gestellt, ein großer Anteil wollte sich allerdings vorab informieren. „Da ging es um die Frage der Konsequenzen einer Antragstellung und somit auch um finanzielle Rückforderungen der Bundeswehr. Wir hatten im vergangenen Jahr aber auch einige Fälle, wo die Betroffenen bereits krank zu Hause waren“, meint Jasmin Schwarz.

Die EAK spürt nach Angaben der KDV-Referentin, dass die Zahl der Anlaufstellen für Soldatinnen und Soldaten in Deutschland, die eine Beratung zum Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung suchen, deutlich zurückgegangen ist. „Nach der Aussetzung der Einberufung zur Wehrpflicht 2011 haben viele Organisationen, die früher in der KDV-Beratung tätig waren, ihre Arbeit eingestellt“, bedauert Jasmin Schwarz. Darum habe die EAK ihre KDV-Arbeit in den vergangenen Jahren neu konzipiert und Beraterinnen und Berater qualifiziert, um selbst in der Geschäftsstelle in Bonn KDV-Beratungen durchführen zu können.

„Wir verfügen mittlerweile über ein qualifiziertes und flächendeckendes Beraternetz, das von der Geschäftsstelle koordiniert, begleitet und qualifiziert wird“, erläutert Jasmin Schwarz. Daneben bestünden gute Kontakte zu Fachanwälten. In der Geschäftsstelle selbst besteht ein Team aus vier Personen, daneben gibt es in einigen Landeskirchen eigene Beratungsstellen, die mit der EAK in Bonn eng zusammenarbeiten. „Leider haben auch einige der Landeskirchen dieses Arbeitsfeld aufgegeben“, meint die KDV-Referentin. 

Für dieses Jahr rechnet die EAK mit weiter steigenden Beratungsanfragen in der Bonner Geschäftsstelle. „Die Spannungen der NATO mit Russland, der Syrieneinsatz der Bundeswehr oder die Auslandseinsätze machen sich bei der Zahl der Reservistenverweigerer, aber auch bei Soldatinnen und Soldaten, die im Einsatz sind, deutlich bemerkbar“, sagt Jasmin Schwarz. Dazu komme, dass das Beratungsangebot der EAK zunehmend auch in der Öffentlichkeit bekannt werde. „Wir hatten im vergangenen Jahr zahlreiche Anfragen von Journalisten, die über unsere Arbeit berichtet haben“, berichtet sie. Und sie betont: „Die steigende Anzahl an Beratungen zeigt deutlich, wie wichtig es ist, dass in der evangelischen Kirche ein solches Angebot für Kriegsdienstverweigerer aufrecht erhalten wird und die Kirche damit auch ihren Friedensauftrag ebenso wie ihre seelsorgerliche Verpflichtung ernst nimmt.“