12.10.2016

"Ärzte ohne Grenzen": Auch Krankenwagen in Aleppo bombardiert

epd

Berlin (epd). Bomben auf Krankenwagen: Im belagerten Ostteil der syrischen Stadt Aleppo sind nach Angaben von "Ärzte ohne Grenzen" mindestens fünf Krankenwagen im vergangenen Monat bei Luftangriffen getroffen worden. Auch Fahrer und Ersthelfer seien verletzt worden. Derzeit seien nur noch elf Rettungsfahrzeuge einsatzfähig, erklärte die Nothilfeorganisation am Mittwoch in Berlin. Acht Krankenwagen seien nicht einsetzbar, da sie dringender Reparaturen bedürften.

"Nicht nur Krankenhäuser wurden seit Beginn der Belagerung im Juli mindestens 23 Mal bei Angriffen getroffen", sagte der Syrien-Koordinator des Hilfswerks, Carlos Francisco. "Erst am Dienstag wurde wieder eine von 'Ärzte ohne Grenzen' unterstützte Klinik bei Luftangriffen beschädigt." Doch auch Krankenwagen mit Verwundeten seien getroffen worden. "Auch das zeigt, wie das Völkerrecht in Syrien immer wieder verletzt wird." Erneut appellierte "Ärzte ohne Grenzen" an Syrien und Russland, die Luftangriffe zu beenden.

Wie medizinische Organisationen aus Aleppo berichteten, kommt es in der Stadt regelmäßig zu Doppelschlägen. "Wenn die Teams der Rettungswagen den betroffenen Ort erreicht haben, greifen Kampfflugzeuge ein zweites Mal an", sagte Ahmad Sweid, der in Ost-Aleppo für Krankentransporte zuständig ist. Der Mangel an Krankenfahrzeugen mache es noch schwieriger, die Verwundeten zu versorgen. Die acht verbliebenen Kliniken in Ost-Aleppo seien wegen der vielen Verletzten ohnehin überlastet. Mindestens 1.384 Verwundete seien vom 23. September bis 8. Oktober im Ostteil der Stadt eingeliefert worden - durchschnittlich 86 Patienten pro Tag.

Zu den von der syrischen Regierung kontrollierten Gebieten einschließlich West-Aleppo erhält "Ärzte ohne Grenzen" keinen Zugang. In Syrien kämpfen das Assad-Regime, unterstützt von Russland und dem Iran, sowie Rebellen und Terrormilizen um die Macht. Die USA helfen gemäßigten Rebellen. Mehr als 300.000 Menschen wurden bislang getötet. Millionen Männer, Frauen und Kinder sind auf der Flucht.  Nach Angaben des Roten Kreuzes sind in Syrien 12,2 Millionen Menschen auf humanitäre Unterstützung angewiesen, darunter 5,6 Millionen Kinder.