09.05.2016

Aachener Friedenspreis für türkische Wissenschaftler

epd

Aachen (epd). Der Aachener Friedenspreis geht in diesem Jahr an türkische Wissenschaftler, die wegen ihres Engagements für ein Ende des Militäreinsatzes in den Kurdengebieten verfolgt werden. Zweiter Preisträger ist die Bürgerinitiative Offene Heide, die seit mehr als 20 Jahren gegen das Nato- und Bundeswehr-Gefechtsübungszentrum Altmark bei Magdeburg protestiert, wie die Friedenspreisinitiative am Montag in Aachen mitteilte. Die symbolisch mit jeweils 1.000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 1. September verliehen, dem Antikriegstag.

Im Januar hatte das "Komitee der AkademikerInnen für den Frieden" in der Türkei den Angaben zufolge einen von 1.128 Wissenschaftlern verschiedener Universitäten unterzeichneten Friedensappell veröffentlicht. Darin hätten sie ein Ende des Militäreinsatzes in den Kurdengebieten und die Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen gefordert.

Die Reaktion des türkischen Staates sei massiv gewesen, die Unterzeichner würden verfolgt und diffamiert, es sei zu Verhaftungen, Disziplinarverfahren und Anklagen gekommen, hieß es. Mit der Auszeichnung will der Verein Aachener Friedenspreis nach eigenen Worten die Wissenschaftler unterstützen und das Engagement gegen die Kriegspolitik und die Politik der Spaltung der türkischen Gesellschaft stärken.

Die Bürgerinitiative Offene Heide werde für "die Beharrlichkeit und den Mut" ihres langjährigen Protests geehrt, heißt es in der Preisbegründung. Seit 1993 rufe die Initiative an jedem ersten Sonntag im Monat zum Friedensweg in das Militärgelände auf, organisiere Informationsveranstaltungen und Kundgebungen. Die Auszeichnung solle zudem darauf aufmerksam machen, dass das Gefechtsübungszentrum Altmark der "Inbegriff für den Wandel der Bundeswehr von einer Verteidigungs- hin zu einer Interventionsarmee" sei, erklärte der Verein Aachener Friedenspreis.

Der früher von der Wehrmacht und später von der Sowjetunion genutzte Truppenübungsplatz in der Colbitz-Letzlinger Heide wurde den Angaben zufolge für eine Milliarde Euro umgebaut. Auf dem mehr als 23.000 Hektar großen Gelände mit Dorf- und Stadtkulissen würden Bundeswehrsoldaten auf Auslandseinsätze vorbereitet, hieß es. Jährlich trainierten hier außerdem 25.000 Nato-Soldaten. Seit 2012 entstehe dort zudem eine künstliche Großstadt mit mehr als 500 Häusern, Kirchen, Moscheen, einem Bahnhof und einem Stadion, in der Kampfeinsätze in städtischen Gebieten geübt werden sollen.

Der Aachener Friedenspreis wird seit 1988 an Menschen verliehen, die sich an der Basis für Frieden und Völkerverständigung einsetzen. Er wird getragen von rund 50 kirchlichen, politischen, gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Gruppen sowie etwa 350 Einzelpersonen, die im Verein Aachener Friedenspreis zusammengeschlossen sind.