27.08.2015Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden

Willkommenskultur aufbauen und Ursachen von Flucht und Gewalt erkennen

Dieter Junker
AGDF

Eine Willkommenskultur aufbauen, die Ursachen von Flucht und Gewalt erkennen und bekämpfen und einer Fremdenfeindlichkeit und einem wachsenden Rassismus deutlich die Stirn bieten, dies sind nach Ansicht der evangelischen Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) die aktuellen Herausforderungen in der Flüchtlingspolitik. Und dieser Herausforderung sollten sich Staat, Gesellschaft und Kirche auch stellen, macht Jan Gildemeister, der AGDF-Geschäftsführer, deutlich.

„Flucht und Migration bieten die Chance, Deutschland zu einem weltoffenen und friedensfördernden Land zu entwickeln“, ist Jan Gildemeister überzeugt. Dafür seien Verständnis, Toleranz und Akzeptanz für die Verschiedenheit auf allen Seiten nötig. „Aber Gewalt und Ausgrenzung dürfen auf keinen Fall akzeptiert und toleriert werden“, machte Gildemeister mit Blick auf die zunehmende Fremdenfeindlichkeit deutlich.

Natürlich sei die befristete oder dauerhafte Aufnahme von Menschen aus anderen Kulturen eine Herausforderung für Staat und Gesellschaft. „Eine soziale oder kulturelle Integration braucht Zeit, Geduld, aber auch Unterstützung und Begleitung, wenn sie gelingen soll“, betont der AGDF-Geschäftsführer. Doch er ist überzeugt, dass dies möglich ist. Allerdings müsse hier auch die Politik tätig werden, für ein liberales Asylrecht sorgen, welches die Menschenrechte anerkennt und sich daran orientiert, und ein Einwanderungsgesetz auf den Weg bringen. Gildemeister: „Der Staat muss den Rahmen schaffen für eine menschenfreundliche Flüchtlingspolitik. Und die Gesellschaft muss diesen Rahmen mit Leben erfüllen.“ Dazu gehörten die Hilfe für Flüchtlinge, Sprachkurse, Begegnungs- und Gesprächsmöglichkeiten sowie vielfältige Beratungs- und Hilfsangebote. Die AGDF sei dabei froh und dankbar über das große Engagement von Kirchen oder kirchlich Aktiven, die sich für Flüchtlinge einsetzen würden und Menschen in Not auch ein Kirchenasyl bieten.

„Leider werden aber die Stimmen derer immer lauter, die bei der Aufnahme von einigen hunderttausend Flüchtlingen bereits von einer Unzumutbarkeit sprechen, während Länder im Nahen Osten oder im Norden Afrikas Millionen von Flüchtlingen aus Syrien oder anderen Konfliktregionen aufnehmen“, kritisiert Gildemeister. Fremdenfeindliche Gewalt, Ressentiments gegen Menschen in Not oder Rassismus dürften dabei nicht hingenommen werden, machte der AGDF-Geschäftsführer deutlich. Solchen Entwicklungen müssten Staat, Gesellschaft und Kirche entschieden entgegentreten, fordert Gildemeister mit Nachdruck.

Der AGDF-Geschäftsführer verwies aber auch darauf, dass die Ursachen von Flucht und Vertreibung in den Blick genommen werden müssten. „Ungerechte Weltwirtschafts- und Handelsstrukturen halten Länder arm und berauben junge Menschen ihrer Perspektive. Und mit westlichen Waffen werden Kriege und Bürgerkriege geführt“, macht Jan Gildemeister deutlich. Auch hier bestünde Handlungsbedarf. „Der Einsatz gegen ungerechte Strukturen, die Förderung von konkreten Projekten und zivilgesellschaftlichen Initiativen für mehr Frieden und Gerechtigkeit vor Ort oder der Einsatz von Friedensfachkräften hilft, damit die Ursachen für Flucht bekämpft werden“, ist der AGDF-Geschäftsführer überzeugt.

Die AGDF mit Sitz in Bonn ist ein Zusammenschluss von 33 Organisationen und Institutionen, die alle mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Arbeitsprogrammen im In- und Ausland Friedensarbeit leisten.