20.07.2015

Überzeugungen der Widerständler leben in der Demokratie fort

epd
Berlin (epd). Mit einer Feierstunde ist am Montag in Berlin-Plötzensee an das Attentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 erinnert worden. Am 71. Jahrestag würdigte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in der ehemaligen Hinrichtungsstätte den Umsturzversuch der Verschwörer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg, dem Terror der Nationalsozialisten ein Ende zu setzen und bekundete den Männern und Frauen des Widerstands "tiefen Respekt". Sie hätten sich ihrer moralischen Verantwortung gestellt, wo die schweigende Mehrheit die Augen verschlossen habe, sagte Grütters. Ihre Überzeugungen lebten fort in der Demokratie, die die Würde des Menschen als unantastbar achte. Es bleibe die "immerwährende Verantwortung", die Erinnerung an das Geschehene wachzuhalten. In Plötzensee sind zwischen 1933 und 1945 fast 3.000 Menschen nach Unrechtsurteilen der NS-Justiz hingerichtet worden, darunter 89 der Verschwörer vom 20. Juli. Das Totengedenken sprach Axel Smend, der Sohn eines wegen des Attentats hingerichteten Offiziers und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung 20. Juli 1944. An der Feierstunde der Bundesregierung und der Stiftung 20. Juli 1944 nahmen neben den Vertretern Berlins auch Bundesratspräsident Volker Bouffier und Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) teil, sowie Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) und Bundesverfassungsrichter Johannes Masing. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann erinnerte in seiner Gedenkrede an den gewerkschaftlichen Widerstand. Hoffmann nannte den Sozialdemokraten Wilhelm Leuschner und den christlichen Gewerkschafter Jakob Kaiser. Ihnen sei es gelungen, Brücken zum bürgerlichen und militärisch-adligen Widerstand zu bauen. Allen Beteiligten des 20. Juni sei klargewesen, "dass das Militär keinen Umsturz ohne die Arbeiterschaft wagen konnte". Leuschner wurde im September 1944 ebenfalls in Plötzensee hingerichtet. Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), sagte, Plötzensee sei der Ort der "Rachemorde" der Nazis an ihren Gegnern. Plötzensee zeige aber auch, wie breit der Widerstand gegen das NS-Regime war. Die Widerständler des 20. Juli hätten sich aus einem erdrückenden Konflikt zwischen Gehorsam und Gewissen befreien müssen, bevor sie hätten handeln können. Am Vormittag war ein ökumenischer Gottesdienst mit 200 Besuchern in der Gedenkstätte gefeiert worden. Am Abend sollte ein feierliches Gelöbnis von 400 Soldaten am Bendlerblock stattfinden. Neben von der Leyen wollte dort auch der ehemalige Hamburger Bürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) sprechen. Er ist der Sohn des Widerstandskämpfers Hans von Dohnanyi. Erstmals gab es in diesem Jahr nur eine Gedenkveranstaltung der Bundesregierung. In den zurückliegenden Jahren wurde auch im Bendlerblock an die Attentäter des 20. Juli erinnert. Künftig soll das Gedenken im jährlichen Wechsel an den beiden Orten stattfinden. Zum 70. Jahrestag hatte Bundespräsident Joachim Gauck im vorigen Jahr die moralische und politische Bedeutung des Widerstands hervorgehoben. Am 20. Juli 1944 scheiterte das Attentat einer Gruppe um Stauffenberg auf Hitler. Der Oberst und vier Mitverschwörer wurden noch in der Nacht zum 21. Juli 1944 auf dem Hof des Bendlerblocks erschossen. In den folgenden Wochen wurden weitere 140 Mitwisser von den Nazis hingerichtet. Im Bendlerblock befinden sich heute das Verteidigungsministerium und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand.