31.03.2015

Pazifistische Anmerkungen zum Weltzustand Anno 2014

Ein Plädoyer von Thomas Nauerth basierend auf theologischen Gedanken von Walter Wink
Thomas Nauerth
Syrische Fluechtlinge im jordanischen Zaatari Refugee Camp

Christoph Püschner / Brot für die Welt

Syrische Fluechtlinge im jordanischen Zaatari Refugee Camp

In diesen verwirrenden bösen Wochen und Monaten, wo erneut ein Gespenst mit Namen „Kalter Krieg“ in Europa umhergeht, scheint es nötig, sich grundsätzlich zu orientieren. In was für einer Welt leben wir eigentlich?

Herrschaftssystem politischer Mächte

Bei der Suche nach Antwort können wir, glaube ich, von Walter Wink lernen[1]. Er hatte Recht: Wir leben in einer Welt politischer Mächte. Und wir leben in einem Herrschaftssystem - auch wir im Westen. Verbunden sind all die um Macht, Herrschaft, Einfluss rangelnden politischen Mächte durch ihren Glauben an die erlösende Kraft der Gewalt. Diese politischen Mächte sind weder gut noch böse, sie sind beides in wechselnder Mischung.

Beurteilung fällt schwer

Die Frage, welche der aktuell herrschenden politischen Mächte gut sind und welche böse, wer Recht hat und wer Unrecht hat, kann manchmal hilfreich sein. Oft aber ist diese Frage nicht zu beantworten und führt nicht weiter, sondern lähmt das Denken und Handeln. So aktuell im Konflikt um Krim, Ukraine, Russland usw. Denn Verschleierung gehört zum Spiel der politischen Mächte und Manipulation der Presse ebenso.

Verschwörungstheorien helfen uns ebenso wenig wie Solidarisierungen mit welcher Seite auch immer; Verstehen und Verständnis dürfen nicht durcheinander geworfen werden. Wir brauchen keine Klärung der Frage nach gut und böse, nach mehr oder weniger Schuld. Wir sind nicht das Weltgericht.

Weltgewissen

Eher sind wir das Weltgewissen. Denn wir wissen, wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen. Die Waffen nieder, das ist unsere Botschaft an alle politischen Mächte in West und Ost, Nord und Süd. Wir sind die Ungläubigen in der Welt der Gewaltgläubigen. Wir haben etwas zu sagen, gerade darum: Ihr alle seid Brüder und Schwestern, Fleisch vom gleichen Fleisch, materialistisch gesprochen; Söhne und Töchter eines einzigen Vaters, religiös formuliert. Ihr könnt nicht lieben mit Angriffswaffen in der Hand. Redet miteinander. Verhandelt. Regelt eure Konflikte nach menschlicher Art, so wie ihr es von euren Kindern auch erwartet.

Baut eure Staaten so um, dass Konflikte reduziert und beherrschbar, lösbar werden. Neutralisiert eure Staaten, dezentralisiert die Macht. Hört auf mit Bandenbildung (Militärbündnisse), lasst euch dies sagen, wenn nicht von uns, dann von den Streitschlichtern auf unseren Schulhöfen, euren Kindern. Rüstet endlich ab und kauft nicht mehr Waffen. Kauft euch stattdessen Frieden: investiert, damit jeder endlich unter seinem Weinstock und  Feigenbaum sitzen kann.

1 Walter Wink, The Powers That Be [deutsch: Verwandlung der Mächte. Eine Theologie der Gewaltfreiheit, Regensburg 2014]