14.12.2015

Kirchlicher Friedensbeauftragter Brahms fordert mehr Mittel für zivile Konfliktbearbeitung

Dieter Sell
epd

Bremen (epd). Der kirchliche Friedensbeauftragte Renke Brahms fordert mehr Mittel für zivile Konfliktbearbeitung und Krisenprävention. Zwar seien die Gelder in diesem Bereich aufgestockt worden, sagte der Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und leitende Bremer Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Doch politisch und finanziell müsse dieser Ansatz deutlich gestärkt werden, um ohne Gewalt auf Krisen in der Welt reagieren zu können. Im Vergleich zu den Ausgaben für die Bundeswehr klaffe noch "eine riesige Lücke".

Der Etat des Zivilen Friedensdienstes sei in diesem Jahr um fünf Millionen auf 39 Millionen Euro erhöht worden, bilanzierte Brahms. Doch gleichzeitig betrage der Verteidigungsetat knapp 33 Milliarden Euro. "Alleine für den Einsatz der Bundeswehr gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat in Syrien rechnet die Bundesregierung mit Kosten in Höhe von rund 134 Millionen Euro."

Brahms begrüßte, dass das Außenministerium eine neue Abteilung aufgebaut hat, in der humanitäre Hilfe, Frühwarnung, Krisenprävention, Stabilisierung, Friedenskonsolidierung und Mediation gebündelt werden. "Das alles sind Schritte in die richtige Richtung. Und dennoch bleibt viel zu tun." Erfahrungen in verschiedenen Ländern zeigten, dass viele Prozesse der zivilen Konfliktbearbeitung erfolgreich seien und mehr Aufmerksamkeit verdienten. "Die Chancen sind groß und die Grenzen noch nicht ausgelotet. Allerdings stecken die Untersuchungen über die Wirksamkeit noch in den Anfängen. Dafür ist Forschung nötig."

Zivile Konfliktbearbeitung umfasse ein großes Bündel von Maßnahmen für eine gewaltfreie Lösung von Konflikten. "Das geht von der Prävention über Deeskalation bis hin zur Konfliktnachsorge." Ein wichtiger Grundsatz seien Allparteilichkeit und das Bemühen, in Krisen einen Interessenausgleich ohne Gewinner oder Verlierer zu finden. Sonst drohten neue Konflikte. Mit Blick auf Syrien betonte Brahms: "Zu ziviler Konfliktbearbeitung gehören auch Verhandlungen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene wie gerade in Wien. Insofern bedarf es auch in und für Syrien dieser Instrumente."