31.03.2015

Ideen für den Umgang mit Gedenkorten

Mögliche Schritte der Bearbeitung in der Gemeinde, Kirche und Kommune
Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover
31.03.2015
Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover

Die Gedenkorte für die Opfer beider Weltkriege in den Kirchen und wenn möglich in den Kommunen sollen zu einem sichtbaren „ Mahn - Ort“,  „ Mahnmal“ für den Frieden werden.

Es soll aller Getöteten gedacht werden, einschließlich der zivilen Opfer. Der Ort soll erinnern an die Notwendigkeit der permanenten Erneuerung von Frieden und den immerwährenden Auftrag der Kirche: Kirche des Friedens im Sinne von Jesus Christus zu werden.

Zu dem im Folgenden skizzierten Prozess wäre es wichtig, die evangelischen Positionen wie: „Vorrang für Zivil“, „ Vorrang für gewaltfreie Methoden“, „wer den Frieden will muss den Frieden vorbereiten“ , „Wege zum gerechten Frieden“, „Frieden im Sinn des umfassenden biblischen Schalom“, „ Abbau der Waffenpotentiale“, „Förderung ziviler Friedensdienste“, „Stärkung der UN“ (Aus der Denkschrift der EKD von 2007 „ Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen“) bewusst in den Mittelpunkt zu stellen.

Ideen für die Umsetzung:

  • Der Volkstrauertag 2014 ist besonders geeignet diese Idee in die Gemeinden zu tragen. Spätestens an diesem Tag sollten sich die Gemeinden der aktuellen Thematik von Frieden und Krieg bewusst stellen, auch wenn es kein kirchlicher Feiertag ist. Aber es ist einer der wenigen Tage, die dieses „Thema“ überhaupt in die öffentliche Wahrnehmung rückt.
  • In einem ersten Schritt kann es sbereits reichen, den Gedanken sich mit den Kriegerdenkmälern / Gedenkorten zu befassen, in Grußworten, Abkündigungen, Predigten, Gemeindebriefen, lokalen Presseartikeln,… „ in den Umlauf zu bringen“. Hierfür sind der Volkstrauertag und die Friedensdekade ein guter Anlass.
  • Mit besonderen kirchenpädagogischen Führungen, Gottesdiensten, Andachten, KU – Modellen, öffentlichen Veranstaltungen, temporären künstlerischen Aktionen sowie thematischer Rüstzeiten, kann eine erste Annäherung erfolgen. 
  • Die Gemeinden können sich als Ziel setzen, bis spätestens zum Gedenken des Endes des 1. Weltkrieges (11.11.2018) ihre“ Mahn - Orte für den Frieden“ in den Kirchen (und wenn möglich der Kommunen) neu zu gestalten. Vielleicht kann hierzu ein Beschluss des Kirchenvorstandes gefasst werden.
  • Im Rahmen der Gestaltungsmaßnahmen können vielfältige Projekte auf den Weg gebracht werden. Z.B. können Schülerinnen und Schüler, Konfirmandinnen und Konfirmanden, den Namen der Getöteten und deren  Biografien nachgehen. Dabei hilft der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (www.volksbund.de, gutes Materialheft: Beispiele Praxis - 14/18 Mitten in Europa // jsb@volksbund.de), der auch weitere Ansatzpunkte vermittelt.
  •  Es können passende biblische und sonstige Worte gesucht, gestaltet und ausgestellt werden, die ferner als „Überschrift“ oder als Gegenentwurf zu den bestehenden Worten dienen. Ebenso können neue Bilder und Symbole kreiert werden.
  • Erinnerungen können in der Kirche veröffentlicht werden: Texte, Fotos…
  • Es kann eine schriftliche Diskussion an Stelltafeln zu aktuellen Fragen des Weges zum gerechten Frieden geführt werden, Zeitungsartikel aushängen, Texte, Gedichte,…..
  • Unter dem Leitwort der „Mahnung zum gerechten  Frieden“ können Orte und Themen im gemeindlichen und kommunalen Umfeld gesucht und aufgesucht werden, die zum Unfrieden beitragen oder zum Frieden.  (Rüstungsproduktionsstätten, Treffs von Neonazis, Soziale Brennpunkte, Tafeln, Kirchenasyl, Flüchtlinge,…)
  • Es können begleitend vielfältige Projekte der Friedensbildung und der Gewaltprävention mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt werden, besonders die Projekte „Jugendliche werden Friedensstifter“ und „Vorfahrt für Vielfalt“ (bischoff@kirchliche-dienste.de -  Maik Bischoff - Arbeitsstelle Friedensarbeit  u. Antikriegshaus Sievershausen)
  • Das Gespräch mit den Vertretern der Kommunalpolitik bewusst suchen. Häufig sind sie mit der Form der Gestaltung des eigenen Volkstrauertages nicht zufrieden und dankbar, diesen inhaltlich zu qualifizieren. Hierfür gibt es vielfältige Möglichkeiten, wenn die Vertreter der Zivilgesellschaft zusammen arbeiten.
  • Die gestalterische Umsetzung spielt bei diesem Ziel eine wichtige Rolle, da so das veränderte kirchliche Denken sichtbar wird: Ablösung der sog. „Lehre vom gerechten Krieg“ hin zu der Leitidee des „gerechten Friedens“ (Denkschrift der EKD „ Aus Gottes Frieden leben – für gerechten Frieden sorgen.“2007). Ideen für eine temporäre Kunstaktion finden sich auf der Homepage. Evtl. wäre es gut auf Kirchenkreis oder sogar Sprengelebene einen Vorschlag zu entwickeln, der sich in möglichst vielen Kirchen wieder findet. (Ähnlich der Grundidee der „Stolpersteine“ für verschleppte und getötete Juden) Denkbar wäre es, dass bei jeder Gedenktafel, Gedenkbuch oder Gedenkstätte in den Kirchen z.B. sichtbar der Satz steht: „Krieg darf nach Gottes Willen nicht sein!“ (Ökumenischer Rat der Kirchen, 1948) „ …dafür mahnen alle im Krieg getöteten Menschen…“. Oder die Bitte: „ …vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Oder gern anderes, das die Gemeinden konkret vor Ort erarbeiten. Bei bleibenden Veränderungen oder Ergänzungen sollte auch mit „bleibenden Material“ gearbeitet werden.
  • Exkursionen, Rüstzeiten oder Gemeindeausflügen können zu umgestaltetet Mahnmalen in der Umgebung unternommen werden, um Anregungen für eine (Neu-)Gestaltung zu erhalten. Auch Ausflüge zu anderne Gedenkstätten wie z.B. Bergen Belsen können Anstöße für die eigene gemeindliche Gedenkarbeit liefern.
  • Referenten, Zeitzeugen oder Experten können eingeladen werden, um der Gemeinde das Thema näher zu bringen, sie zu aktivieren und für zukünftige Handlungsmöglichkeiten zu sensibilisieren. Das Arbeitsfeld Friedensarbeit im Haus kirchlicher Dienste hilft Ihnen diesbezüglich gerne weiter.