01.08.2015

EKD-Ratschef fordert Abschaffung aller Atomwaffen

epd
Gedenken für 220.000 Tote - Nagasaki National Peace Memorial Hall for the Atomic Bomb Victims (国立長崎原爆死没者追悼平和祈念館 Kokuritsu Nagasaki Genbaku Shibotsusha Tsuitō Heiwa Kinenkan)

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国立長崎原爆死没者追悼平和祈念館

München (epd). 70 Jahre nach den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki fordert die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) eine vollständige nukleare Abrüstung. "Keine Atomwaffen sind das Ziel", sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zum Jahrestag reist der EKD-Ratschef mit einer Delegation des Weltkirchenrats nach Japan und wird dort auch Überlebende der Atomangriffe treffen.

Am 6. August 1945 war Hiroshima von einer amerikanischen Atombombe zerstört worden, drei Tage darauf die Stadt Nagasaki. Zehntausende Menschen waren sofort tot, Zehntausende weitere starben an Strahlenschäden und Verbrennungen. Insgesamt wird die Zahl der Opfer auf weit mehr als 250.000 Menschen geschätzt. Die Atombombenabwürfe beendeten den Zweiten Weltkrieg.

Bedford-Strohm forderte, das Problem der Verbreitung von Atomwaffen wieder ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit zu rücken. Ihr Einsatz sei mit dem christlichen Glauben unvereinbar. Allein die USA und Russland würden über je 7.000 einsatzbereite Atomsprengköpfe verfügen. "Das Zerstörungspotenzial ist weiterhin immens", sagte der Bischof. 

Der EKD-Ratsvorsitzende kritisierte, dass 25 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges der mögliche Ersteinsatz von Atomwaffen weiterhin Teil der Nato-Strategie sei. "Die Politik sollte auch in Deutschland auf weitere wirksame Schritte zur Vernichtung von Atomwaffen drängen", sagte der Theologe, der zugleich bayerischer Landesbischof ist.  "Dass in Deutschland nach wie vor Atomwaffen lagern, weiß kaum noch jemand." Einseitige Vorleistungen zur Abrüstung seien sinnvoll. 

Durch die vielen konventionell ausgetragenen Konflikte etwa in Syrien und im Irak, in der Ukraine oder im Jemen sei die Bedrohung durch Atomwaffen in den Hintergrund getreten. "Das Thema wird in seiner Bedeutung unterschätzt", sagte Bedford-Strohm. Die Kirchen der Welt sollten in ihren Ländern ihren Einfluss geltend machen, um das Problem der nuklearen Bedrohung wieder auf die politische Tagesordnung zu setzen.

Mit Bedford-Strohm reisen Kirchenleitende aus sieben Ländern nach Japan, darunter Bischöfe aus den heutigen Atomwaffenstaaten USA und Pakistan. Die anderen Kirchenführer kommen aus Ländern, die indirekt unter dem Schutz von Atomwaffen ihrer Verbündeten stehen - ebenso wie die Bundesrepublik Deutschland. Der Weltkirchenrat bezeichnet die Mission als Pilgerreise für Gerechtigkeit und Frieden.

Bedford-Strohm räumte ein, dass es seit dem Ende des Kalten Krieges keine klaren Frontstellungen mehr gebe und friedensethische Fragen komplex seien. In der evangelischen Kirche sei nicht nur Platz für radikale Pazifisten, sondern auch für Positionen, die mit der Frage ringen, wie Menschen wirksam vor Mörderbanden geschützt werden - notfalls durch militärische Gewalt. "Keine der beiden Seiten kann Jesus von Nazareth exklusiv für sich in Anspruch nehmen", sagte Bedford-Strohm. Der EKD-Ratsvorsitzende ist der Spitzenvertreter der rund 22,5 Millionen Protestanten in Deutschland.