11.10.2015

EKD-Friedensbeauftragter Renke Brahms: Frieden braucht Fantasie

Dieter Junker
EKD

Foto: Frank Schultze / Brot für die Welt

Frieden brauche Fantasie. Dies betonte der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, in Leipzig. „Unsere Kraft und Fantasie muss dem Frieden gelten, den gewaltfreien Wegen der Konfliktbearbeitung, dem Schaffen gerechter Verhältnisse, der Bekämpfung der Armut und gerechten Handelsbeziehungen. Das erfordert unsere ganze Kraft und Fantasie“, unterstrich Brahms in seiner Predigt in der Leipziger Nikolaikirche aus Anlass des 20. bundesweiten Vernetzungstreffens der ökumenischen Friedensgebetsgruppen.

„Nicht den Krieg wieder führbar zu machen, nicht immer neue Waffensysteme zu erfinden, nicht immer neue Wege zu finden, wie wir Waffen produzieren und exportieren können, nicht Einsatzszenarios des Militärs dürfen unsere Kraft der Phantasie verschlingen“, warnte der EKD-Friedensbeauftragte in Leipzig. Stattdessen machte er den Friedensgebetsgruppen Mut, für den Frieden zu beten, so lange, bis wieder Menschen wie 1989 sagen würden: „So etwas haben wir noch nie gesehen.“

Denn die Ereignisse von 1989 in Leipzig hätten gezeigt, zu was das Gebet fähig sei, betonte Renke Brahms. In Leipzig und an anderen Orten wäre in den Kirchen informiert, diskutiert, gebetet und gesungen worden. „Daraus wurde eine Masse, die mutig auf die Straße ging und mit den Rufen nach Gewaltfreiheit eine friedliche Revolution herbeiführte“, so der EKD-Friedensbeauftragte. So etwas sei nie in Deutschland gesehen worden. Brahms: „Welch eine Kraft hat das Gebet, wenn es mit offenen Augen geschieht.“

Damals seien die Kirchen in Ostdeutschland voll gewesen. Warum seien die Kirchen nicht voll angesichts des unendliche Leides, der Kriege und Konflikte, der Flüchtlinge und irrsinnigen Parolen gegen Fremde und Ausländer?, fragte Brahms in seiner Predigt. Es sei darum auch heute wichtig, Menschen, die ratlos und resigniert sind angesichts der Gewalt in der Welt, zu Jesus zu tragen. Ebenso engagierte Menschen in Behörden und Ämtern, die angesichts der Zahl der Flüchtlinge nicht wüssten, wie sie ihnen eine menschenwürdige Unterkunft geben könnten. Oder Friedensgruppen, die den Mut verlieren. Diese Menschen müssten wieder in die Nähe Jesu gebracht werden, durch das Gebet. „Und wieder landen wir beim Gebet, der großen Kraftquelle für Widerstandskraft und Mut“, unterstrich der EKD-Friedensbeauftragte.

Wichtig sei der Weg der Gewaltlosigkeit, so wie 1989 in der Nikolaikirche. „Wir haben es doch erlebt in unserer Geschichte, dass sich alte Feinde in Europa die Hände reichen, Völker sich aussöhnen und Friede zwischen ihnen herrscht“, betonte Renke Brahms in seiner Predigt. Auch wenn es momentan nicht danach aussehe, dass so etwas auch in Israel, Palästina, Syrien oder dem Irak möglich sei: „Keine Anstrengung ist umsonst, das mühsame Gespräch, den Frieden und die Versöhnung zu suchen“, machte der EKD-Friedensbeauftragte deutlich.