01.09.2014

Für keinen Konflikt der Welt gibt es eine Lösung mit Mitteln der Gewalt

Beginn des 2. Weltkrieges vor 75 Jahren
Dieter Junker

Der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Renke Brahms, hat sich für einen verstärkten Einsatz für gewaltfreie Konfliktlösungen ausgesprochen. „Für keinen Konflikt dieser Erde gibt es eine Lösung mit Mitteln der Gewalt“, betonte Brahms bei einem Friedensgebet zum Beginn des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren im St. Petri-Dom in Bremen. Es gebe keinen gerechten Krieg, wohl aber einen gerechten Frieden. „Und wer den Frieden will, muss ihn vorbereiten“, unterstrich der Leitende Geistliche der Bremischen Evangelischen Kirche.

Es gilt Konflikte vorzubeugen

Keiner der aktuellen Krisenherde sei einfach zu beurteilen und es gebe auch keine einfachen Antworten, bekannte der EKD-Friedensbeauftragte. Darum dürfe es sich auch niemand leicht machen, da einfache Parolen den komplexen Situationen nicht gerecht würden. Doch von einem sei er auch überzeugt, betonte Brahms: „Es gilt zu allererst, Menschen Gerechtigkeit zu verschaffen, ihre Lebensverhältnisse zu sichern, Konflikten vorzubeugen, Konflikte mit Mitteln der gewaltfreien Konfliktbearbeitung zu begegnen und diesem Denken den absoluten Vorrang einzuräumen, damit wir nicht immer zu spät kommen“, so der EKD-Friedensbeauftragte beim Friedensgebet in Bremen.

Er wolle sich nicht daran hindern lassen, sich vorzustellen, dass es gelingen könne, Konflikten anders zu begegnen als mit dauernder Gegengewalt. „Ich will mich nicht durch eine vermeintliche Realpolitik behindern lassen, mir eine Debatte in Deutschland zu erhoffen, die von der besonderen Verantwortung Deutschlands für Krisenprävention und der Stärkung der zivilen und gewaltfreien Konfliktlösung dominiert wird, statt von mehr militärischer Verantwortung“, so Brahms wörtlich.

Dilemma in der Situation des "Zu spät"

Es sei „bezeichnend und traurig“, dass gerade am Antikriegstag im Deutschen Bundestag eine Debatte über Waffenlieferungen in den Irak stattfinden müsse. Dies sei nicht nur Ausdruck einer verzweifelten Situation der Menschen im Irak und einer grausamen ISIS-Miliz, die Hunderttausende bedrohe und eines ethischen Dilemmas in der Situation des „Zu spät“ für andere Lösungen. „Sie ist auch Ausdruck des Versagens der Politik und der internationalen Gemeinschaft“, kritisierte Renke Brahms.

„Wann endlich lernen wir aus der Geschichte so, dass unsere Füße sich nicht immer wieder auf den Weg der Gewalt begeben, sondern auf dem Weg des Friedens sind?“, fragte der EKD-Friedensbeauftragte bei dem Friedensgebet im Bremer Dom. Gerade in Erinnerung an den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit den vielen Opfern und auch dem weitgehenden Versagen der Kirche, das im Stuttgarter Schuldbekenntnis 1945 schon ausgedrückt worden sei, sei es wichtig, „zu jeder Zeit sensibel, wachsam und aufmerksam zu sein für die Gefährdung und die Förderung des Friedens“, mahnte Renke Brahms nachdrücklich an. Und für Deutschland sei der Zweite Weltkrieg, aber auch die nachfolgende Versöhnungs- und Friedensgeschichte Europas, eine Verpflichtung, für Frieden und Versöhnung, für gewaltfreie Lösungen von Konflikten einzutreten und zu arbeiten.