Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr

Soldatinnen und Soldaten haben das Recht auf freie Religionsausübung und Seelsorge. Deshalb gibt es seit mehr als 55 Jahren die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr, die gemeinsam von der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Bundesrepublik Deutschland getragen wird. Der zugrunde liegende Militärseelsorgevertrag trat am 22. Februar 1957 in Kraft. Er regelt die Seelsorge als gemeinsame Aufgabe unter alleiniger inhaltlicher Verantwortung und Aufsicht der Kirche bei gleichzeitiger organisatorischer und finanzieller Verantwortung des Staates.

Doch was bedeutet Seelsorge für die Menschen in der Bundeswehr heute und ganz konkret?
Die Rolle der Soldatinnen und Soldaten in unserer Gesellschaft hat sich verändert. Auf der einen Seite sind die Aufgaben und Gefahren gewachsen. Auslandseinsätze sind mittlerweile Alltag. Das Risiko, verwundet oder getötet zu werden, ist für viele bedrückend real. Und auch der Umbau der Bundeswehr stellt Soldaten vor große Herausforderungen hinsichtlich Flexibilität und Mobilität. Und sorgt zudem für viel Ungewissheit.

Kernaufgaben der evangelischen Militärseelsorge sind die vier Bereiche "Begleiten", "Ermutigen", "Verkündigen" und "Orientieren":

  • Begleiten: Die Evangelische Militärseelsorge begleitet Soldatinnen und Soldaten und ihre Familien - im Alltag und in Ausnahmesituationen. Dabei haben die Militärgeistlichen, die selbst keine Soldaten und damit unabhängig von der militärischen Hierarchie sind, die nötige Distanz, um unabhängig zu sein, und genug Nähe, um zu helfen. Hierbei wird selbstverständlich das Seelsorgegeheimnis gewahrt. Die Evangelische Militärseelsorge kann und will dem einzelnen Soldaten bei der Suche nach Antworten Orientierung bieten.
  • Ermutigen: Zur Ermutigung gehören die Rüstzeiten als ein besonderes Angebot der Evangelischen Militärseelsorge. In einem entspannten Umfeld werden gemeinsame Freizeitgestaltung und Arbeit an gesellschaftlichen Fragen aus christlicher Sicht miteinander verbunden. Hierfür kann den Soldaten Sonderurlaub gewährt werden. Jede Rüstzeit steht unter einem Thema, zu dem Referenten eingeladen und eigene Beiträge erarbeitet werden können. Gottesdienst, Andacht und Bibelarbeit sind ebenfalls unverzichtbare Bestandteile.
  • Verkündigen: Die Botschaft Gottes ist die Grundlage des Glaubens. Die Bereitstellung von Bibeln ist deshalb eine der Aufgaben der Evangelischen Militärseelsorge. Jeder, der neu zur Bundeswehr kommt, erhält darüber hinaus das Gesang- und Gebetbuch für Soldatinnen und Soldaten. Dieses ermöglicht individuelle Besinnung, aber auch gemeinsames Feiern. An vielen Standorten werden auch Bibelkreise oder andere Formen der Bibelarbeit angeboten. Die Evangelische Militärseelsorge ist mit eigenen Angeboten und Informationsständen auf dem Kirchentag vertreten. Soldatinnen und Soldaten können über die Teilnahme an Rüstzeiten Kirchentage besuchen und sich vor Ort einbringen. Eines der wichtigsten Angebote der Evangelischen Militärseelsorge sind Gottesdienste. In der Regel gibt es einmal im Monat werktags einen Standortgottesdienst, der meist in der Kaserne oder in einer Kirche in der Nähe gefeiert wird.
  • Orientieren: Seit 1959 gehört der Lebenskundliche Unterricht zum Alltag der Soldatinnen und Soldaten. Mehr als früher lebt der Unterricht von der engagierten Mitarbeit und der Möglichkeit der freien Aussprache. Thematisch erhalten nun Fragen nach dem Umgang mit fremden Kulturen, mit Schuld und Verantwortung, aber auch mit individuellen Belastungen viel mehr Raum. In Seminarform und Diskussionsrunden haben die Soldatinnen und Soldaten die Möglichkeit sich auszutauschen oder das Gespräch mit dem Militärgeistlichen zu suchen. Dieser ist für den Unterricht verantwortlich, auch wenn es sich nicht um einen Religionsunterricht handelt, sondern um Berufsethik für alle Soldaten, die auf den Werten des Grundgesetzes aufbaut. Die Soldaten können so Kraft schöpfen, um den Herausforderungen des Alltags gewachsen zu sein.

Zurzeit arbeiten rund 100 Geistliche in ebenso vielen Evangelischen Militärpfarrämtern an den Standorten. Die kirchliche Leitung nimmt der Evangelische Militärbischof wahr. Er feiert Gottesdienste, vertritt die Militärseelsorge nach außen, führt die Geistlichen in ihre Aufgaben ein und verantwortet das Schrifttum. Er steht in keinem Dienstverhältnis zur Bundeswehr, sondern wird vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland ernannt. Das Bundesgebiet ist in vier Evangelische Militärdekanate unterteilt. Dort wird die Verantwortung für die Militärseelsorge im jeweiligen Bereich wahrgenommen sowie die Dienstaufsicht über die Militärgeistlichen. Die Militärdekane, welche diese Dienststellen leiten, stellen den Kontakt der Militärseelsorge zu den evangelischen Landeskirchen in ihrem Dekanat her. Die zentrale Verantwortung übernimmt das Evangelische Kirchenamt für die Bundeswehr (EKA) als Bundesoberbehörde. Es wird vom Militärgeneraldekan geleitet, in ihm fließen kirchliche Führung durch den Militärbischof und Aufsicht durch das Bundesverteidigungsministerium zusammen.

Unsere Arbeitsfelder:

  • Unterstützung der Soldatinnen und Soldaten, ihre eigene religiöse Identität zu leben
  • Begleitung und Ermutigung von Soldatinnen und Soldaten als vertrauenswürdiger Ansprechpartner
  • Orientierung in wichtigen Fragen durch Lebenskundlichen Unterricht und persönliche Gespräche
  • Unterstützung von Familien und Angehörigen im Alltag, während des Einsatzes und im Trauerfall
  • Angebote zur Erwachsenenbildung und Freizeitgestaltung
  • Förderung eines offenen und aktiven Miteinanders unter den Kameraden, mit katholischen Brüdern und Schwestern und mit fremden Kulturen und Glaubensrichtungen

(Quelle: Walter Linkmann/Militärseelsorge)

Kontakt / Ansprechpartner: 

Vertreten durch: Dr. Dirck Ackermann