05.12.2017

Unicef warnt vor "Winter-Katastrophe" in Syrien

epd

Berlin/Genf (epd). Das Kinderhilfswerk Unicef warnt vor einer humanitären Katastrophe im Winter in Syrien. Besonders die Lage der Kinder in dem von Bürgerkrieg zerrütteten Land sei so schlimm wie nie, sagte der Unicef-Regionaldirektor für den Mittleren Osten und Nordafrika, Geert Cappelaere, am Dienstag in Berlin. Er rief zu Spenden auf, während über den Fortgang der Syrien-Gespräche in Genf Unklarheit herrschte.

In der ersten Jahreshälfte seien in Syrien 322 getötete und 202 verletzte Kinder registriert worden, sagte Cappelaere. Über 200.000 Kinder lebten in belagerten Städten und Regionen, Millionen seien auf Hilfe angewiesen. Fast 70 Prozent der Bevölkerung in Syrien leiden laut Unicef mittlerweile unter extremer Armut, 1,75 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule. Die meisten Kinder seien traumatisiert, viele verwaist, Familien zerrissen, sagte Cappelaere. 

Unicef will in den nächsten Wochen rund 700.000 Kinder in Syrien sowie weitere 800.000 Kinder in der gesamten Region mit Decken, Winterkleidung, festen Schuhen und Heizöfen versorgen. Zur Kriegs-Katastrophe dürfe keine "Winter-Katastrophe" hinzukommen, sagte der Geschäftsführer des Deutschen Unicef-Komitees, Christian Schneider.

Unterdessen konnten die Vereinten Nationen bis Dienstagabend nicht bestätigen, ob die Delegation des Machthabers Baschar al-Assad zu den Genfer Syrien-Gesprächen angereist war. Eine UN-Sprecherin teilte mit, dass der Syrien-Sondergesandte Staffan de Mistura die Assad-Delegation für weitere Sondierungen eingeladen habe. 

De Misturas Treffen mit der Delegation der syrischen Opposition war hingegen angekündigt. Der Sondergesandte plant, mit den verfeindeten Parteien über die Bildung einer Übergangsregierung, freie Wahlen, die Ausarbeitung einer neuen Verfassung und den Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Die Assad-Delegation lehnt eine Kernforderung der Opposition entschieden ab. 

Der Widerstand verlangt die Absetzung des Machthabers Assad und seiner engsten Gefolgsleute, da sie für das jahrelange Töten und Kriegsverbrechen verantwortlich seien. Die UN bemühen sich seit Jahren vergeblich, den Konflikt auf dem Verhandlungsweg zu lösen.

Die neue Runde der Syrien-Gespräche hatte vor einer Woche einen schleppenden Anfang genommen. In dem fast sieben Jahre dauernden Konflikt kamen nach Schätzungen mehrere Hunderttausend Menschen ums Leben, rund elf Millionen Männer, Frauen und Kinder sind auf der Flucht. Assad, Rebellengruppen und Terrormilizen kämpfen um die Macht.