23.08.2017

Trumps Afghanistan-Strategie: Experte warnt vor neuer Gewalt

Michaela Hütig
epd

Bonn (epd). Angesichts der neuen Afghanistan-Strategie der US-Regierung warnt der Friedens- und Konfliktforscher Conrad Schetter vor einer weiteren Eskalation der Gewalt. "Die Prognose ist sehr düster", sagte der Afghanistan-Experte des Internationalen Konversionszentrums Bonn (BICC) am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Schon seit einigen Jahren habe sich die Situation immer mehr verschlechtert. Weit mehr als die Hälfte des Landes sei heute wieder in der Hand von Aufständischen, erklärte Schetter: "Wir haben bereits einen Krieg in Afghanistan, und nach den Ankündigungen von Trump wird sich die Gewalt noch weiter verstärken."

Anders als von US-Präsident Donald Trump dargestellt sei die neue US-Militärstrategie weniger außen- sondern vor allem innenpolitisch motiviert, betonte der Forschungsdirektor des BICC. "In Wahrheit geht es nicht nur darum, den Terrorismus einzudämmen, sondern um Lobbyinteressen an einem ressourcenreichen Land und um den Wunsch des Militärs, aus den Stützpunkten heraus zu kommen und wieder in den Kampf zurückzukehren." Doch diese Strategie werde nicht funktionieren, da sie sich auf wirtschaftliche und militärische Aspekte beschränke. Wichtige entwicklungspolitische Aspekte würden völlig außer Acht gelassen, sagte Schetter.

"Den Fokus legt Trump wortwörtlich allein auf 'killing terrorists' und nicht auf politischen Aufbau", erklärte der Experte. "'Nation building' soll ausdrücklich nicht stattfinden, auch Korruptionsbekämpfung und Demokratie spart Trump aus." Damit schlage der US-Präsident den umgekehrten Kurs seines Vorgängers Barack Obama ein. Es spiele keine Rolle mehr, die Funktionsweise einer Gesellschaft zu verstehen. "Stattdessen sagt Trump jetzt nur noch im Hauruck-Verfahren: 'Wir gehen da rein, knallen jeden ab, der uns nach einem Terroristen aussieht, und schauen dann mal weiter'", sagte Schetter.

Weil damit eine echte Strategie für das Land fehle, drohe ein unkontrollierter Einsatz von Waffen und Gewalt, warnte der Forscher. Schon in den vergangenen 20 Jahren sei selbst vielen US-Generälen in Afghanistan nicht klar gewesen, wer der Feind sei. "Und wenn Trump jetzt mit dieser Strategie da rein geht, dann will man gar nicht wissen, wo das Ganze enden wird", sagte Schetter. Die Interessen der Afghanen blieben völlig unberücksichtigt, das Land diene zum wiederholten Male "nur als Plattform für die wirtschaftlichen und militärischen Interessen einer externen Macht".

Die zu erwartende Verschärfung der Lage werde sich unweigerlich auch auf die deutsche Asylpolitik auswirken, betonte Schetter: "Das gegenwärtige Vorgehen der Bundesregierung, Afghanen in ein vermeintlich sicheres Land abzuschieben, wird immer widersprüchlicher."