08.01.2017

Studientagung in Wittenberg fragt nach dem Friedensauftrag von Kirche und Gesellschaft

Dieter Junker
Evangelische Friedensarbeit

Die Frage nach der Bedeutung der Reformation für das gegenwärtige Friedenszeugnis der Kirche steht im Mittelpunkt der Studientagung „Frieden ist des Menschen Berufung! Der Friedensauftrag von Kirche und Gesellschaft“ am 24. und 25. Januar in der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt in der Lutherstadt Wittenberg. Die Studientagung, die von der Akademie in Kooperation mit der Konferenz für Friedensarbeit im Raum der EKD veranstaltet wird, fragt dabei nach der friedensethischen Relevanz zentraler Inhalte reformatorischer Theologie und danach, in welcher Beziehung diese zum Leitbild des Gerechten Friedens stehen.

500 Jahre Reformation, dieses Jubiläum wird 2017 gefeiert. Der reformatorische Aufbruch, der vom Thesenanschlag Martin Luthers 1517 in Wittenberg ausging, leitete ein von Konflikten und Kriegen gezeichnetes Jahrhundert ein. Gleichzeitig steht die reformatorische Theologie aber auch für den Aufbruch in eine Moderne, die den friedensfördernden Prinzipien von Freiheit und Gleichheit verpflichtet ist. Dieser offenkundige Widerspruch fordert dazu heraus, zu überlegen, wie evangelische Christinnen und Christen heute dem Auftrag gerecht werden, dem Frieden der Welt zu dienen, wie es die Präambel des Grundgesetzes formuliert.

Diesen Fragen werden die Teilnehmer an der Studientagung in Wittenberg an den zwei Tagen nachgehen. So wird der Friedensbeauftragte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, zum Thema „Ermahnung zum Frieden – Die reformatorische Entdeckung zwischen politischem Gestaltungsauftrag und kirchlichem Friedenszeugnis“ sprechen. In einer Podiumsrunde wird es um „Lebensformen des Friedens in gesellschaftlichen Umbrüchen“ gehen, wobei hier die politische Wende des Jahres 1989, aber auch aktuelle Bedrohungen des Friedens in den Blick genommen werden.

Der emeritierte Theologe Professor Dr. Hans G. Ulrich von der Universität Erlangen wird am zweiten Tag einen Vortrag über „Soziale Praktiken des Friedens und der Versöhnung – Christliches Zeugnis als Ressource für die pluralistische Gesellschaft“ halten. In Werkstattarbeiten unter Leitung von Eva Hadem, der Friedensbeauftragten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, geht es zudem um Grundbegriffe des Friedens „zwischen gesellschaftlicher Polarisierung und globalen Konfrontationen“. Weitere Referenten sind unter anderem der Leitende Militärdekan Dr. Dirck Ackermann vom Evangelischen Kirchenamt für die Seelsorge in der Bundeswehr, Dr. Patrick R. Schnabel vom Kirchlichen Entwicklungsdienst der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie Ulrich Hahn, der Präsident der Deutschen Sektion des Internationalen Versöhnungsbundes. Den Abschluss der Studientagung bildet ein Plenum „Reformation als politische Ressource“ mit dem EKD-Friedensbeauftragten Renke Brahms.

Die Studientagung in Wittenberg versteht sich als ein Teil der Pilgerreise der Gerechtigkeit und des Friedens („Pilgrimage of Justice and Peace“), zu der der Ökumenische Rat der Kirchen bei seiner Vollversammlung im koreanischen Busan 2013 aufgerufen hatte. Gleichzeitig soll mit der Tagung der im September 2016 in Berlin begonnene Prozess der Konsultation „How to become a Just Peace Church“ aufgegriffen werden.

Die Studientagung beginnt am Dienstag, 24. Januar, um 15.30 Uhr mit der Begrüßung durch Akademiedirektor Friedrich Kramer und endet am Mittwoch, 25. Januar, gegen 15 Uhr.