27.10.2017

Renke Brahms: „Sola pax“ als ein weiteres Grundprinzip der Reformation

Dieter Junker
AGDF
EKD-Friedensbeauftragter Renke Brahms.

BEK Schiffler

EKD-Friedensbeauftragter Renke Brahms.

Das Reformationsjubiläum könnte nach Ansicht des Friedensbeauftragten des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, Anlass sein, den Friedensauftrag der Kirchen wieder neu zu entdecken. Und dazu gehört für ihn, den vier Grundprinzipien der Reformation, dem solus Christus, dem sola scriptura, dem sola gratia und dem sola fide (Allein Christus, allein die Schrift, allein aus Gnade und allein der Glaube) heute ein „Sola pax“, ein „Allein der Frieden“, hinzuzufügen, schreibt der EKD-Friedensbeauftragte in einem Impuls der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) zum Reformationsjubiläum.

„Müsste die evangelische Kirche nicht angesichts des reformatorischen Erbes, aber auch angesichts der Überwindung von jeglichen Vorstellungen eines gottgewollten Krieges mit dem ökumenischen Weg seit 1948 und angesichts der Bedeutung des Friedens in der Bibel und dem Bekenntnis zu Christus, unserem Frieden, nicht zu den Soli der Reformation im Sinne einer reformatorischen Kirche heute ein sola pax hinzufügen?“, fragt Renke Brahms. Und verweist darauf, dass diese soli der Reformation in das soli deo gloria, also allein Gottes Herrlichkeit münden, zu dem in der Weihnachtsgeschichte das „Friede auf Erden“ gehöre. „Gott allein in der Höhe zu singen und nicht gleichzeitig für gerechten Frieden einzutreten, ist weder biblisch noch reformatorisch“, ist der EKD-Friedensbeauftragte überzeugt. Und ebenso: „Alle Prozesse auf dem Weg zu einer Kirche des gerechten Friedens sind ausgesprochen reformatorisch und sollten nicht nur im Jahr des Reformationsjubiläums weiter beschritten werden.“

Der Blick in die Bibel zeige, dass der Frieden ein Kennzeichen der Kirche sei. „Wenn dies so ist, dann muss das Bestreben der Kirche heute sein, eine Kirche des gerechten Friedens zu werden“, unterstreicht Renke Brahms. Und dies sei umfassend gemeint. „Es geht um den Frieden des Einzelnen mit Gott, um Frieden in Gemeinde und Kirche, aber auch um einen gesellschaftlichen und sogar kosmischen Frieden“, betont Renke Brahms. Und daraus folge, dass das Friedensthema auf allen Ebenen in umfassender Weise verhandelt werden müsse, in der theologischen Ausbildung, in der Verkündigung, in der Bildungsarbeit, in der Art und Weise, wie in der Kirche Konflikte angegangen und gelöst würden und in den Verlautbarungen, in denen Kirche Stellung nimmt, so der EKD-Friedensbeauftragte.

Dazu gehöre dann aber auch, dass die Friedenstheologie verstärkt werde, fordert Renke Brahms in seinem AGDF-Impuls. Denn: „Wenn Frieden ein zentrales Thema der Bibel und der Kirche ist, dann ist der Frieden auch ein zentrales Thema der Theologie. Darum: Mehr Friedenstheologie wagen!“, so der EKD-Friedensbeauftragte.

Der Impuls „Sola Pax“ ist der 14. und abschließende Beitrag eines von der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) am Reformationstag 2016 gestarteten Projekts „Reformation heute – Gewalt absagen und Frieden wagen“, mit dem die AGDF einen Beitrag zum Reformationsjubiläum leisten, sich kritisch mit der reformatorischen Geschichte auseinandersetzen und dabei einen Fokus auf Gewalt und Gewaltfreiheit legen will. Die Impulse, die dazu veröffentlicht werden, sollen Denkanstöße für eine weitere Diskussion sein.

Der Beitrag „Sola pax“ von Renke Brahms findet sich auf der Homepage der AGDF (www.friedensdienst.de). Dort stehen auch die anderen erschienenen Beiträge dieses Reformationsprojektes der AGDF.