04.12.2017

Münster im Zeichen des Friedens

Helmut Jasny
epd

Münster (epd). Das westfälische Münster gilt seit dem 17. Jahrhundert als "Friedensstadt". 1648 endete mit der Unterzeichnung des Westfälischen Friedensvertrags in den Rathäusern Münster und dem benachbarten Osnabrück der Dreißigjährige Krieg. Das Ereignis markiert das Ende der Konfessionskriege und steht für die Toleranz zwischen den Religionen. Im kommenden Jahr, in dem sich der "Westfälische Friede" zum 370. Mal jährt und das Ende des Ersten Weltkrieges 100 Jahre zurückliegt, wollen die beiden Städte mit einem gemeinsamen Kulturprogramm für Aussöhnung und Zusammenhalt in Europa werben. Am Montag wurde das Städteprojekt in Münster vorgestellt.

Münster selbst wartet 2018 mit der großen Themenschau "Frieden. Von der Antike bis heute" auf, zu sehen vom 28. April bis 2. September in vier Museen im Stadtgebiet. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln widmet sich die Verbundausstellung dem Streben nach Frieden und den Friedensbildern vergangener Epochen. Initiiert wurde das Projekt vom Exzellenzcluster "Religion und Politik" der Universität Münster. Beteiligt sind das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Kooperation mit dem Bistum Münster, das Picasso-Kunstmuseum, das Stadtmuseum und das Archäologische Museum.  

Den größten zeitlichen Bogen spannt das Kunst-Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) am Dom zu Münster. Auf einer Ausstellungsfläche von 960 Quadratmetern werden anhand von 180 hochrangigen Werken Vorstellungen vom Frieden und historische Friedensschlüsse vom Mittelalter bis in die Gegenwart beleuchtet. "Die Frage, wie man dauerhaft Frieden herstellt, können wir damit zwar auch nicht beantworten", sagt Kuratorin Judith Claus, "aber wir können zeigen, was über die Jahrhunderte hinweg das Bild vom Frieden geprägt hat und was mögliche Wege dahin gewesen sind." 

Dabei gehe es darum, Konstanten zwischen den einzelnen Epochen aufzuzeigen. Als Beispiel nennt Claus das Friedensmahl, das bereits im Mittelalter bekannt war und das auch heute noch als vertrauensbildende Maßnahme abgehalten wird. Aber auch sind auch Brüche auszumachen. "Im 20. Jahrhundert wird eher der Krieg als der Frieden dargestellt, die letzten Friedensallegorien findet man im 19. Jahrhundert", erklärt sie. Exemplarisch dafür stünde das Gemälde "Flandern" von Otto Dix aus der Berliner Nationalgalerie. "Es ist in den 1930er Jahren im Rahmen der Kriegsbewältigung entstanden und kann schon als Vorahnung des Zweiten Weltkriegs betrachtet werden", erläutert Claus.

Das Bistum Münster, das 2018 Gastgeber des 101. Deutschen Katholikentages in der Domstadt ist, wird im LWL-Museum einen eigenen Ausstellungsbereich bestreiten. Unter dem Titel "Frieden. Wie im Himmel, so auf Erden?" geht es um das Wirken des Glaubens als Friedenskraft einerseits und als Konfliktstoff andererseits, wie Kurator Thomas Fusenig ankündigt. Unter den Ausstellungsstücken sind ein byzantinischer Silberteller aus dem Besitz des US-Studienzentrums Dumbarton Oaks in Washington sowie ein Brief des Pfarrers und NS-Widerstandkämpfers Dietrich Bonhoeffers, den er Weihnachten 1944 in der Gestapo-Haft an seine Verlobte schrieb. 

Ein Beispiel, wie Christen am Friedensanspruch gescheitert sind, ist laut Fusenig ein Schreiben aus dem elften Jahrhundert von Kreuzfahrern an den Papst. In dem schilderten sie stolz "ihre grausigen Taten bei der Eroberung Jerusalems". "Ein Zeugnis für die Ambivalenz religiöser Gefühle", sagt der Kunsthistoriker von der Uni Münster.

Das Kunstmuseum Pablo Picasso zeichnet in seiner Ausstellung den Weg "Von den Schrecken des Krieges zur Friedenstaube" nach. Präsentiert würden rund 50 Werke, die Picassos künstlerische Auseinandersetzung mit Krieg und Frieden veranschaulichen, sagt der wissenschaftliche Mitarbeiter Alexander Gaude. Mittelpunkt bilde das berühmte Symbol der Friedenstaube, das der Künstler für den ersten Weltfriedenskongress 1949 entwarf. Zudem soll anhand von Skizzen und Vorzeichnungen die komplexe Entstehungsgeschichte des Gemäldes "Guernica" von 1937 vermittelt werden.

Das Archäologische Museum in Münster bereichert die Themenausstellung mit antiken Schätzen. Dort ist unter anderem der Ägyptisch-Hethitische Friedensvertrag, den der ägyptischen Pharao Ramses II. mit dem Hethiterkönig Hattusili III. im 13. Jahrhundert v. Chr. geschlossen hat, zu sehen. "Dieser Vertrag gilt als der älteste bekannte schriftliche Friedensschluss überhaupt", erklärt Helge Nieswandt, Kustos des Museums. Das Stadtmuseum Münster konzentriert sich in seiner Präsentation auf den "Westfälischen Frieden" und dessen Auswirkungen.