15.05.2017

Marinemuseum und Kirche zeigen Schau "Mit Schwert und Talar"

epd

Unter dem Titel "Mit Schwert und Talar" geben das Marinemuseum und die evangelische Kirche in Wilhelmshaven einen kritischen Einblick in das Verhältnis von Kirche und Militär der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Beleuchtet werden dabei die Biografien von drei Pastoren, die zwischen Kirche und Marine standen, sagte Pastor Frank Morgenstern am Montag dem epd. Die gemeinsame Ausstellung ist vom 21. Mai bis zum 31. Oktober in dem Museum sowie in der evangelischen Christus- und Garnisonkirche zu sehen.

Friedrich Ronneberger (1886-1968), Ludwig Müller (1883-1945) und Martin Niemöller (1892-1984), der spätere erste Präsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), seien der Marine und Wilhelmshaven eng verbunden gewesen, sagte Morgenstern. Sie hätten die evangelische Kirche und die Militärseelsorge auf ganz unterschiedliche Weise geprägt. 

Ludwig Müller war zunächst als Pfarrer an der Wilhelmshavener Garnisonkirche und prägte diese in den frühen 1920er Jahren. Von den Nazis wurde er 1933 als "Reichsbischof" eingesetzt. Er stehe für die Bewegung der "Deutschen Christen", die die NS-Ideologie in der Kirche durchsetzen wollten, sagte Morgenstern. Müller starb unter ungeklärten Umständen zum Kriegsende in Berlin.

Einer von Müllers Gegnern war Martin Niemöller, der im Ersten Weltkrieg ein U-Boot kommandierte. Als die "Deutschen Christen" erstarkten, wandte er sich - mittlerweile Pastor - der "Bekennenden Kirche" zu. 1937 wurde er als "persönlicher Gefangener" Adolf Hitlers verhaftet und überlebte bis Kriegsende mehrere Konzentrationslager. Nach 1945 spielte er eine wichtige Rolle bei der Neuausrichtung der evangelischen Kirche und in der Friedensbewegung.

Friedrich Ronneberger wirkte vom Ersten Weltkrieg bis in die frühe Bundesrepublik an der Wilhelmshavener Garnisonkirche. Er wurde zur führenden Persönlichkeit in der evangelischen Marineseelsorge und prägte diese durch alle Epochen. 

Die Christus- und Garnisonkirche ist eng mit der Geschichte der Marine verbunden. Über die Jahre wurden immer mehr Gedächtnistafeln, Marineflaggen, Rettungsringe und Schiffswappen ins Kircheninnere gebracht. Im Nordschiff erinnert ein Mahnmal für den "unbekannten Seemann" an die in den beiden Weltkriegen getöteten Marineangehörigen. Im Südschiff setzt sich eine Dauerausstellung mit der Geschichte der Kirche auseinander.