15.07.2017

Landesbischof: Rassismus darf nicht salonfähig werden

epd

Wunsiedel (epd). Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat die gewalttätigen Ausschreitungen am Rande des G20-Gipfels in Hamburg am vergangenen Wochenende erneut scharf verurteilt. "Menschen, die solche Mittel anwenden, die randalieren oder sogar Menschen in Gefahr bringen, dementieren alles, was sie über Humanität oder eine gerechte Gesellschaft sagen", erläuterte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Wer so agiere, könne sich nicht auf Werte wie Toleranz oder Demokratie berufen, sagte er am Freitagabend dem Evangelischen Pressedienst (epd) bei einem Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Projektstelle gegen Rechtsextremismus.

Bedford-Strohm sagte, das Bayerische Bündnis für Toleranz richte sich vor diesem Hintergrund auch gegen Linksextremismus, der in den Ereignissen von Hamburg "sehr deutlich als Problem sichtbar geworden" sei. Mit der Projektstelle gegen Rechtsextremismus, die am Evangelischen Bildungs- und Tagungszentrum in Bad Alexandersbad (Kreis Wunsiedel) angesiedelt ist, ist auch die Geschäftsführung des 2005 gegründeten "Bayerischen Bündnisses für Toleranz - Demokratie und Menschenwürde schützen" verbunden. Seit 2011 ist Martin Becher Leiter dieser Stelle. Als Bündnis-Sprecher bewertete Bedford-Strohm die Arbeit der vergangenen Jahre als ein "echtes Erfolgsmodell". 

Mit ihrer engagierten Netzwerksarbeit und zahlreichen kreativen Aktionen habe die Projektstelle die Begriffe Toleranz, Demokratie und Menschenwürde vielerorts "in die Herzen der Menschen gebracht", sagte Bedford-Strohm. Die inzwischen bundesweit positive Ausstrahlung sei auch damit verbunden, dass die Organisationen im Bündnis "sich nicht nur abgrenzen gegen etwas, sondern sich einsetzen für eine Demokratie, in der die Menschen gerade in ihrer Unterschiedlichkeit friedlich und in wechselseitiger Achtung miteinander leben können". So sei das Bündnis vermutlich der einzige Ort, an dem so unterschiedliche Organisationen wie bayerisches Innenministerium und Flüchtlingsrat konfliktfrei an gemeinsamen Zielen arbeiteten, merkte er an.

Während die linksextremen Krawalle in Hamburg "sehr stark europäisch geplant" gewesen seien, sieht der EKD-Ratsvorsitzende rechtsradikale Tendenzen als ein Problem, das "aus der Mitte der Gesellschaft" kommt. Deshalb sei die Präventionsarbeit auf diesem Gebiet die gegenwärtig wichtigste Aufgabe: "Es darf gar nicht erst so weit kommen, dass Menschen in dieses Milieu abgleiten oder am Ende sogar zur Gewalt greifen." Angesichts einer sprunghaft gestiegenen Zahl rechtsextremer Straftaten müsse die Gesellschaft deutlich machen, dass es "hier rote Linien gibt, jenseits derer die Menschen nicht gehen dürfen". Rechte, antisemitische oder rassistische Sprüche dürften nicht salonfähig werden: "Da müssen Menschen da sein, die widersprechen."

Dem Bayerischen Bündnis für Toleranz gehören 70 Organisationen aus verschiedenen Bereichen der Gesellschaft an. An der Feierstunde in Wunsiedel nahm unter anderem auch der frühere Landesbischof und Mitgründer des Bündnisses, Johannes Friedrich, teil.