11.10.2017

Interreligiöse Kundgebung in Myanmar: Aufruf zum Frieden

epd

Rangun/Frankfurt am Main (epd). In Myanmars früherer Hauptstadt Rangun sind Zehntausende Menschen zu einer interreligiösen Kundgebung zusammengekommen, um die Einheit des Landes zu beschwören. Wie lokale Medien am Mittwoch berichteten, nahmen daran am Dienstagabend Buddhisten, Christen, Muslime und Hindus teil. Mitorganisiert wurde die Demonstration von der Regierungspartei "Nationale Liga für Demokratie" (NLD) von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. In den sozialen Netzwerken beklagten Kritiker allerdings, die interreligiöse Veranstaltung habe vor allem nationalistischen Charakter gehabt.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Vertreibung der muslimischen Rohingya aus dem westlichen Bundesstaat Rakhine betonten unter anderem NLD-Mitglieder, man setze sich für Frieden zwischen den Religionen ein. Vor den Teilnehmern, von denen viele Porträts der de-facto-Regierungschefin Suu Kyi in Händen hielten, verteidigten Redner die Friedensnobelpreisträgerin gegen internationale Kritik. Die UN und Menschenrechtsorganisationen werfen Myanmar Verbrechen gegen die Menschlichkeit und "ethnische Säuberungen" an den Rohingya vor. 
 
Der Erzbischof von Rangun, Kardinal Charles Maung Bo, wurde mit den Worten zitiert, Myanmar befinde sich einer Zeit des historischen Übergangs. Suu Kyi sei die einzige Person, die das Land in Richtung Demokratie führen könne, in der jeder gleiche Rechte genieße. 

Seit Ende August sind nach UN-Angaben mehr als 520.000 muslimische Rohingya vor der Gewalt des Militärs und Übergriffen aus dem mehrheitlich buddhistischen Myanmar geflohen. Zu Beginn der Woche hätten allein an einem Tag mehr als 11.000 Menschen die Grenze nach Bangladesch überquert, hieß es. 

Der Konflikt im Westen Myanmars war wieder aufgeflammt, nachdem sich die Miliz "Arakan Rohingya Salvation Army" (Arsa) am 25. August zu Angriffen auf Dutzende Polizei- und Armeeposten bekannt hatte. Die Armee reagierte auf die Attacken der schlecht bewaffneten Angreifer mit brutaler Gegengewalt, in deren Zuge nach offiziellen Angaben Hunderte Menschen getötet und zahlreiche Dörfer in Rohingya-Gebieten niedergebrannt wurden. Sowohl das Militär als auch Suu Kyi haben die Vorwürfe gezielter Gräuel und ethnischer Säuberungen stets zurückgewiesen.