08.09.2017

Gemeinsam auf dem Weg zum Gerechten Frieden

Dieter Junker
AGDF

Nach Ansicht der katholischen Friedensbewegung pax christi ist im Vatikan derzeit ein Kurswechsel zu erkennen: Gewaltfreiheit soll wieder einen zentralen Stellenwert erhalten, die Lehre vom gerechten Krieg überwunden und gewaltfreie Praktiken zum Schutz von  bedrohten Menschen gefördert werden. Dies betont die pax christi-Bundesvorsitzende Wiltrud Rösch-Metzler in einem Impuls der evangelischen Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF) zum Reformationsjubiläum.

So sei pax christi erstmals gemeinsam mit dem Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden Veranstalter einer Konferenz „Gewaltfreiheit und Gerechter Frieden“ im vergangenen Jahr in Rom gewesen, wobei diese Einladung für die katholische Friedensbewegung überraschend gewesen sei, wie Wiltrud Rösch-Metzler einräumt. Ebenso sei erkennbar, dass der Vatikan, anders als über Jahrhunderte hinweg, wo es immer wieder Versuche gab, gerechtfertigte von nicht gerechtfertigten Kriegen zu unterscheiden, nun immer öfter deutlich mache, dass kein Krieg zu rechtfertigen sei.

Dabei sei die Kirche nicht naiv gegenüber den Herausforderungen, die ein solcher Paradigmenwechsel bedeute, unterstrich die pax christi-Bundesvorsitzende. Auch die Christen wollten, dass bedrohte Gruppen und Bevölkerungen vor Gewalt geschützt und Aggressoren gestoppt würden. Entscheidend sei dabei aber, wie dies gelingen könne, betont Wiltrud Rösch-Metzler und betont: „Es gibt Wege jenseits militärischer Interventionen.“ Hier sehe sie sich durch viele Äußerungen von Papst Franziskus bestätigt.

Das Reformationsjubiläum biete die Möglichkeit, das Gemeinsame in den christlichen Kirchen wieder in den Blick zu nehmen. Dazu gehört für die pax christi-Bundesvorsitzende auch der Weg zum „Gerechten Frieden“, einem Leitbegriff gewaltfreien Handelns, der sowohl von der römisch-katholischen Bischofskonferenz wie auch vom Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland anerkannt werde. Hier sei es an der Zeit, dass beide Konfessionen das Beispiel des gewaltfreien Lebens Jesu erkennen und ihm darin nachfolgen würden, macht Wiltrud Rösch-Metzler deutlich.

Nicht ohne Grund werde im Abschlusskonferenz der Konferenz von Rom gefordert, dass die Kirche mehr menschliche und finanzielle Ressourcen investieren müsse, um eine Spiritualität und eine Praxis der aktiven Gewaltfreiheit voranzubringen, erklärt die pax christi-Bundesvorsitzende. Die Teilnehmer der Konferenz hätten an den Papst appelliert, eine Friedensenzyklika zu veröffentlichen. „Die Papst-Botschaft ,Gewaltfreiheit: Stil einer Politik für den Frieden´ zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2017 könnte ein Schritt dahin sein“, hofft Wiltrud Rösch-Metzler.

Der Impuls „Gemeinsam auf dem Weg zum gerechten Frieden“ ist der neunte Beitrag eines von der Arbeitsgemeinschaft dienst für den Frieden (AGDF) am Reformationstag 2016 gestarteten Projekts „Reformation heute – Gewalt absagen und Frieden wagen“, mit dem die AGDF einen Beitrag zum Reformationsjubiläum leisten, sich kritisch mit der reformatorischen Geschichte auseinandersetzen und dabei einen Fokus auf Gewalt und Gewaltfreiheit legen will. Die Impulse, die dazu veröffentlicht werden, sollen Denkanstöße für eine weitere Diskussion sein.

Der Beitrag „Gemeinsam auf dem Weg zum gerechten Frieden“ von Wiltrud Rösch-Metzler findet sich auf der Homepage der AGDF. Dort stehen auch die weiteren bereits erschienenen Beiträge dieses Reformationsprojektes der AGDF.