02.01.2017

Die Rückkehr der Religion

Dieter Junker
AGDF

Die Reformation bedeutete vor 500 Jahren eine Zeitenwende, sie erschütterte das Gefüge politischer Macht in Europa, sie schwächte die politische Macht des Papstes und leitete das Ende des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation ein. Die Reformation bereitete der Aufklärung den Boden. Mit dem Verlust der politischen und gesellschaftlichen Macht der Kirche schien auch die Religion langsam zu verschwinden.

Doch geht diese Epoche nun zu Ende und beginnt die Rückkehr der Religion in den öffentlichen Raum? Dieser Frage geht Horst Scheffler, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF), nach. „Einen ersten Schritt haben wir miterlebt mit dem Ende des Ost-West-Konflikts und dem Zerfallen bisheriger mächtiger Staaten. Im Gegenzug dazu erwacht bei vielen Menschen die Sehnsucht nach Sicherheit in der beheimateten Region“, so Scheffler in einem Impuls zum Reformationsjubiläum.

Dazu gehöre auch die überall zu erlebende Rückkehr der Religion in die globalisierte Welt, unterstreicht der AGDF-Vorsitzende. „In Südamerika und in Afrika geschieht schon seit längerem ein religiöser Aufbruch der christlichen Religion. In Europa drängt die Religion in der Gestalt des Islam in einen Raum, in dem die Religion auszusterben schien“, erläutert Scheffler. Denn die Menschen bräuchten Systeme, um Sinne zu deuten, Gefühle zu regeln und den Willen zu steuern. Und dies leiste die Religion, ist er überzeugt.

Diese öffentliche Rückkehr der Religion in das Leben der Menschen sei dabei eine Herausforderung für jeden Einzelnen, betont Horst Scheffler. Denn in welchem Glauben die Religion gelegt und übermittelt werde, welche Religionsgemeinschaften lebendige Religiosität ermöglichen würden, ob sie konstruktiv oder destruktiv das Leben der Menschen bestimmen würden, „darüber entscheiden die Menschen, die sich engagieren in den Religionen und Religionsgemeinschaften, in den Kirchen, Synagogen, Moscheen und Klöstern und Gemeinden“, so der AGDF-Vorsitzende in seinem Impuls zum Reformationsjubiläum.

Mit ihrem am Reformationstag 2016 gestarteten Projekt „Reformation heute – Gewalt absagen und Frieden wagen“ will die AGDF einen Beitrag zum Reformationsjubiläum leisten, sich kritisch mit der reformatorischen Geschichte auseinandersetzen und dabei einen Fokus auf Gewalt und Gewaltfreiheit legen. Die Impulse, die dazu veröffentlicht werden, sollen Denkanstöße für eine weitere Diskussion sein.

Der Beitrag „Reformation im Wandel der Zeiten“ von Horst Scheffler findet sich auf der Homepage der AGDF. Dort stehen auch die weiteren bereits erschienenen Beiträge dieses Reformationsprojektes der AGDF.